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Vicuña - Das Gold der Anden

DIE FASER DER INKA 

Im Reich der Inka galt die Vicuña als heilig. Ihr Vlies war so kostbar, dass nur der Herrscher und sein Hof Kleidung daraus tragen durften. Bis heute leben Vicuñas, wie sie es immer taten: frei, wild und hoch in den Anden, oft auf über viertausend Metern. Als kleinste Verwandte des Kamels durchstreifen sie in kleinen Gruppen das goldene Gras des Hochlands.

DIE FEINHEIT 

Das Vlies der Vicuña ist die Antwort auf das Hochland, auf eisige Nächte und gleißende Sonne. Seine Fasern messen rund zwölf Mikrometer, feiner als Kaschmir, und liegen so dicht, dass sie die Wärme halten und dabei kaum spürbar wiegen. Daraus entsteht ein Stoff von seltener Weichheit, der wärmt, ohne zu beschweren, und die Temperatur des Körpers ausgleicht.

DER CHACCU 

Die Faser der Vicuña wird bis heute im Chaccu gewonnen, einem Brauch aus der Zeit der Inka. Die Gemeinschaften des Hochlands bilden lange Ketten und führen die Tiere behutsam zusammen. Jede Vicuña wird nur alle zwei bis drei Jahre geschoren und gibt dabei etwa 200 Gramm Faser. Danach kehrt sie in die Weite zurück. Jeder Chaccu wird vom peruanischen Staat begleitet und dokumentiert.

Schutz und Gemeinschaft

Mitte des 20. Jahrhunderts war die Vicuña fast verschwunden. Heute leben wieder rund 200.000 Tiere in Peru, dank Schutzgebieten und Gemeinschaften, die vom Chaccu leben und die Tiere deshalb schützen. So hat jede Vicuña-Faser einen Weg, der sich bis ins Hochland zurückverfolgen lässt.